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Split

Kritik Details Trailer Galerie News
Wer leidet, überlebt

Split Kritik

Split Kritik
28 Kommentare - 09.01.2019 von ELanchester
In dieser Userkritik verrät euch ELanchester, wie gut "Split" ist.
Split

Bewertung: 0.5 / 5

**********Diese Kritik enthält Spoiler**********

Split ist ein psychologischer Horrorthriller von M. Night Shyamalan (Drehbuch, Regie, Co-Produktion) über einen Mann mit dissoziativer Identitätsstörung (DIS), der drei Mädchen von einem Parkplatz entführt und gefangen hält, um sie einer seiner Persönlichkeiten (Alters) auszuliefern. James McAvoy ("Atonement") spielt als DIS-Patient Kevin damit einen Großteil der Hauptrollen, Betty Buckley (Musical "Sunset Boulevard") seine behandelnde Psychologin und Anya Taylor-Joy ("The VVitch") eines seiner Opfer.

Splits großer Aufhänger sind die 24 Persönlichkeiten von Kevin, einem Mann, der schon seit seiner Kindheit an einer ausgeprägten dissoziativen Identitätsstörung leidet. Die einzelnen Persönlichkeiten unterscheiden sich in Alter, Gebaren, Stimmlage, Kleidung, Zugang zum "Licht" oder Bewusstsein und vor allem Meinung zu einer von ihnen - der Bestie. Deren engste Verbündete in Kevin sind Dennis und Patricia - Dennis entführt drei Teenager, steckt sie in eine unterirdische Zelle und schon sind wir mitten im Plot. Oder fast.

Die Zeit, die die Mädchen mit der vorherrschenden Panik, Erkundung ihrer Zelle und den ersten Fluchtplänen verbringen, wird immer wieder mit expositionslastigen Dialogszenen zwischen Kevin (in dem der "wache" Dennis vorgibt, der stabilere Barry zu sein) und seiner Therapeutin unterbrochen. In diesen lernen wir über ihre Mission, der medizinischen Welt klarzumachen, dass Menschen mit DIS drastisch unterschiedliche physische Formen haben können, je nachdem, welche Persönlichkeit "ins Licht tritt". Außerdem nutzt Shyamalan diese Gelegenheit, uns von der Gruppendynamik zwischen den Alters und ihrem (Un-)Glauben an die Bestie zu erzählen. Die Bestie ist ein bisschen der Hulk, Messias und Jeanne d’Arc für die Alters - die starke, unverletzliche Version ihrer selbst, gekommen, um der Welt zu zeigen, dass sie als "Horde" die neueste Entwicklungsstufe der Menschheit darstellen. Und um geschützt aufgewachsene Mädchen zu fressen. Warum die jetzt unbedingt verspeist werden müssen scheint übrigens nicht weiter von Belang zu sein.

Vorneweg - einiges, was die Fans an diesem Film mögen, hat Hand und Fuß. Als weder Freund noch Feind Shyamalans kann ich der enthusiastischen Meinung, er sei zu seinen alten Höhen ("The Sixth Sense") zurückgekehrt, nicht verlässlich zustimmen. Handwerklich ist Split jedoch bestimmt kein "After Earth". Optisch ist es vielleicht kein Durchbruch, aber durchaus gut anzuschauen, mit vielerlei Hitchcock-Huldigung und einer für einen Superheldenfilm erstaunlich verträglichen matten Farbpalette.

Dass die große Enthüllung des Filmes von Anfang an Teil des Trailers ist, mögen viele erfrischend finden. Wer besonders Wert auf das Gefühl anhaltender Beklemmung ohne großes Auf und Ab in seinen Horror-Thrillern legt, wird mit Split sicherlich Spaß haben. Die beinahe ruhige Plotführung ist wie eine beige Leinwand, vor der die farbenfrohen Alters Kevins leuchten können.

James McAvoy schauspielert sich fast wund an all den Persönlichkeiten - besonders der neunjährige Hedwig bleibt als distinkter Charakter in Erinnerung. Kompetent besetzt wirkt auch die entführte Casey (Anya Taylor-Joy) - eine Rolle, die sich wie ein direktes Yang zu Kevins Yin verhält und sehr wenig an Emotionen auf die Leinwand bringt. Technisch sind sowohl Soundtrack und Sounddesign völlig in Ordnung, retten Split meiner Meinung nach nicht. Ab hier gehts bergab.

Alle Charaktere bewegen sich in ihrem Verhalten auf einer binären Skala von Realitätsferne - die einen katatonisch, die betreffenden Schauspieler offenbar schwer an entsprechenden Regieanweisungen ackernd, mit regungslos ausgepressten Tränen, die anderen maßlos überspitzt in ihren Reaktionen. Gestellte, expositionsgeladene Dialoge ruckeln so dahin. Die Handlung fühlt sich an wie ein vertrautes Muster, aber nicht wohlig nostalgisch und spannend neu interpretiert, sondern wie ein Film, den man schon hundertmal gesehen und noch nie wirklich genossen hat. Man möchte aufstehen und Wäsche falten. Oder weiße Wände neu streichen.

Hier als Einschub - ich habe es bei Filmen wirklich nicht mit der Korrektheit, ich mag meine Actionfilme mit Machotrash genauso gerne wie meine Komödien überladen mit Vorurteilen, da kenne ich nichts.

Dennoch bleibt nach Split ein hartnäckiger Gedanke, der andere Aspekte des Filmes in den Schatten stellt. Die psychische Störung als den bösen schwarzen Mann zu inszenieren, gelingt nicht nur durch das schleppende Tempo eher schlecht, sondern fühlt sich auch noch zutiefst widerlich an.

Ich habe Split auf die Bitte einer befreundeten Therapeutin nicht im Kino gesehen.

Lange Zeit dachte ich, dass die Kritik von Betroffenen möglicherweise überspitzt ist und nicht wirklich DIS als Ursache für das Biest genannt und dargestellt wird, sondern Shyamalan Kevin einen beträchtlichen fantastischen Drall verpasst. Weit gefehlt. Stattdessen wird auch noch sexueller Missbrauch an Kindern als billiger Subplot verschleudert - Shyamalan, warum wirkt das hier so unfassbar faul?

Dieser uninspirierte Baba Jaga einer völlig misrepräsentierten, realen und belastenden Störung ist eine klebrige Ohrfeige ins Gesicht eines jeden Menschen, der jemals Kontakt mit psychisch Kranken hatte. Und das hatten wir alle.

Da wünscht man sich fast, der Streifen würde sich selbst nicht ganz so ernst nehmen. Wer Spaß an schlechter Persönlichkeits-WG hat, sollte lieber Venom gucken.

Auch die Begründung der schlussendlichen Dynamik zwischen Kevin und Casey lässt zu wünschen übrig. Das Phänomen des "letzten Mädchens", dass von dem (oft männlichen oder männlich inszenierten) Monster verschont wird, weil es rein und (sexuell) unberührt sei, ist nichts Neues in der Horror-Welt (Carol J. Clover, 1992). Casey fällt nicht in das Beuteschema der Bestie, die die Schwachen, Unverletzten, "Unzersplitterten" frisst, da sie in letzter Minute die Narben des Mädchens sieht. Das Trauma des sexuellen Missbrauchs als Marker der besseren Menschheit. Was dich nicht tötet, macht dich vollkommener? Wems gefällt.

Wenn schon so tief in die "Trickkiste" menschlichen Leidens gegriffen, hätte man wenigstens mehr damit anfangen können. Der Grund für das Ende von Kevins Hetzjagd allein wäre mir schon sauer aufgestoßen, aber der Film lässt wirklich nichts liegen - es ist eine peinliche Ausschlachtung von Vorurteilen, von denen ich kaum glauben kann, dass man sie 2017 im Kino als "Thriller mit Substanz" feiert. Es hätte mich beschämt, an der Kinokasse das Geld für diesen Film hinzulegen. Der Plot entfaltet sich schleppend, das Ende hat kein finales Gefühl und tröpfelt unsauber vor sich hin. Neu fühlt sich hier nichts an. McAvoy schauspielert und rattert durch seine Dialekte, was das Zeug hält, aber ansonsten würde ich sagen, dass die gespaltene Persönlichkeit hier eine beleidigende und einfallslose Plotpuppe ist, hohl und ordinär in ihrer Ausführung.

Jetzt bleibt mir nur noch Verwirrung - Verwirrung über die doch sehr positive Resonanz.

Wer hier findet, das Problem der Darstellung von Trauma und Krankheitsbild ist keins, schließlich ist es zumindest auf dem Papier ein Horror, damit absichtlich unangenehm und das Klischee der multiplen Persönlichkeit ein Klassiker des Genres - den kann ich zumindest nachvollziehen.

Der unkritische Genuss dieses Films ist bestimmt möglich und ich habe nicht die Absicht, den Spaß an Split zu verurteilen. In Anbetracht dessen, dass das Klischee jedoch nicht gerade neu ist, halte ich die Darstellung von DIS Patienten als gewalttätige, wortwörtliche Monster (sowie den effekthaschenden Umgang mit Missbrauch) in Shyamalans Facettenlosigkeit für unverantwortlich.

Split Bewertung
Bewertung des Films
110
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28 Kommentare
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Silencio : : Moviejones-Fan
17.01.2019 20:37 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.081 | Reviews: 44 | Hüte: 100

Petra:

Wenn du niemanden aburteilen willst, dann vermeide breite Verallgemeinerungen. Auch wenn du "nur" eine allgemeine Tendenz kritisieren wolltest, sollte dir doch klar sein, dass du, indem du das an dieser Stelle tust, deinen Kommentar in einen gewissen Kontext stellst. Du kannst es ganz anders meinen, aber du musst auch verstehen, dass deine Aussagen hier nicht im luftleeren Raum stehen. Was mich zum nächsten Punkt bringt:

Du magst eine "Übersensibilisierung" festgestellt haben. Ich könnte dir jetzt unterstellen, selbst "übersensibel" zu sein, weil dich eine solche Review plus nachfolgende Diskussion zu einem "Verteidigungspost" bewogen hat. Sobald wir mit solchen Wörtern um uns werfen, drehen wir uns munter im Kreis. Genau das ist, was mich an "Berufsempörte" und den anderen Formulierungen stört, plötzlich diskutierst du damit nämlich nicht mehr Inhalte (es wäre zB ja möglich gewesen darzulegen, warum gerade DIESE Review übersensibel ist bzw. warum gerade hier KEINE Verunglimpfung stattfindet), sondern diffuse Geisteshaltungen, die hier ja zusätzlich niemand geäußert hat.

Dann habe ich mit keiner Silbe behauptet, du hättest irgendwem den Mund verboten. Ich habe dargelegt, warum sich dein Post danach liest, als wärest du der Meinung, man würde dir und anderen "weniger sensiblen" den Mund verbieten. Und mal Butter bei die Fische: wenn du von Selbstzensur aus Furcht niemandem auf die Füße zu treten redest, sagst du im Grunde nichts anderes, als dass die anderen diese Selbstzensur nötig machen würden.

Weiterhin habe ich mich nicht persönlich beleidigt gefühlt, ich habe bereits angemerkt, dass das ganze scherzhafter zu lesen war, als du es aufgefasst hast. Ich finde es auch ganz nett, wie du hier einfach jemandem "zu Hilfe eilen" kannst, ich mich aber "getriggert" fühlen muss, weil mir das ein Augenrollen abringt. Aber das bringt mich dann zur nächsten Inkonsistenz:

Einerseits soll dein Kommentar als allgemeine Äußerung aufgefasst werden, andererseits willst du das, indem du Arieves Darlegungen stützt, schon als Antwort auf die Argumentation in der Review verstanden wissen. Dann muss ich das aber schon als "aburteilen" lesen. Was denn jetzt?

Wiederum ist es natürlich dein gutes Recht, Arieve zur Seite zu stehen. Auch das ist wieder sowas, was niemand in Frage gestellt hat. Genauso ist es mein gutes Recht, mich zu der Sache zu äußern, dafür ist die Kommentarfunktion da. Dementsprechend kann ich dir dann auch sagen, warum ich deinen Kommentar für "verwegen" halte.

"Dein Satz "Dass du allerdings nicht versuchst, den Kram inhaltlich zu verteidigen, wundert mich nicht..." sagt im Grunde auch alles."

"Obwohl, wenn ich mir deine Reaktion jetzt so anschaue..."

Merkste hoffentlich selber...

luhp:

Ja, der Film räumt einer möglichen Krankheit viel Platz ein - die stellt sich aber letztendlich als nicht feststellbar heraus. Dementsprechend wird der Pfad der Wissenschaft verlassen, um sich dem Glauben zuzuwenden - der dann auch die Heilung verspricht. Gerade da zeigt der Film sich dann als anti-aufklärerisch. Ich kann da nur das tolle, auch in dieser Review zitierte "Men, Women and Chainsaws" von Carol J. Clover empfehlen. Dünnes Büchlein, hat man fix gelesen. ;)

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
17.01.2019 19:29 Uhr | Editiert am 17.01.2019 - 19:34 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 424 | Reviews: 12 | Hüte: 32

Arieve:

Also erst mal sorry irgendwie dass ich so breit argumentiert, oder besser ein Statement gemacht, habe, aber so diffuse, undifferenzierte "das ist doch die Schuld von Politival Correctness" Statements lösen bei mir immer so ein Augenrollen aus... Das ist so ein "Schublade auf" Argument, das nahelegt, dass man sich eigentlich nicht mit dem Thema auseinandersetzen will. Nicht persönlich nehmen. Silencio hat sich da ja etwas detaillierter abgearbeitet, dass kann ich eigentlich so unterschreiben.

Petra82:

"Viel Wahrheit liegt für mich jedoch in der Aussage "Aber wie gesagt, das ist Zeitgeist, da sich heutzutage anscheinend viele durch realsitisch betrachtet bereits schwache Kritik oder neutral gemeinte Aussagen angegriffen und nicht respektiert fühlen."
[...]
Was ich mir aber herausnehme, ist, eine gewisse "Übersensibiliserung" zu erkennen, sobald man davon spricht, dass es seit einiger Zeit so scheint, dass sich viele Menschen durch kleinste "Vergehen" in ihrem Sein verletzt fühlen."

Ich denke, welche Gruppe für was sensibilisiert sein darf, und wovon beleidigt sein darf, kann man ruhig diesen Gruppierungen oder Personen überlassen. Andersherum hätten ja alle, die in die gesellschaftliche "Norm" fallen, einen Beleidigungsjoker, überspitzt. Würde man das aufheben, könnte man auch gleich jeglichen Minderheitenschutz wieder über Bord werfen. Problematisch.

"Wir begrenzen uns in unserer Fantasie, unserem Wortschatz und unserer Ausdrucksfähigkeit, wenn wir jedes Mal erst überlegen, wem dieses Mal etwas nicht recht sein könnte.
[...]
Es wird nie möglich sein, es allen recht zu machen - und persönlich begrüße ich das sehr."

Es geht nicht darum, den Wortschatz einzuschränken oder uns gedanklich einzuschränken (siehe mein erste Kommentar), und es geht auch nicht darum es allen recht zu machen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht woher dieses Gerede immer kommt. Es geht darum, Diskussionen sachlich zu führen (genau da wäre es z.B. nützlich, mal zu überlegen), Vorurteile abzubauen, und dass alle gleiches Recht (juristisch) haben. Mich irritiert wenn ich immer wieder lese, alles sollte "gleich gemacht" werden. In welcher Agenda steht das denn bitte?!

Und wer sich in seiner Fantasie begrenzt fühlt, nur wenn man einfach gegenüber Minderheiten mal auf den Ton achten sollte... sollte sich evtl. mal Gedanken über seine Fantasie machen.

Silencio:

"...man wird doch wohl die Darstellung in einem Film kritisieren können, ohne gleich "berufsempört" zu sein - der Versuch, Kritik mit diesem Wort ins Lächerliche zu ziehen (und mehr ist das nicht), liest sich durchaus eher so, als wolltest du dich mit dem Geschriebenen gar nicht ernsthaft auseinandersetzen."

Danke. Nichts ist irritierender als dieser "berufsempörte" Stempel...

Edit:

So, Hut Nr. 100... Bäm. Passt, wackelt, und hat Luft wink

luhp92:

Falscher Thread?! smile

Edit II: Ah jetzt hab ichs!

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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sid : : Alpha
17.01.2019 18:18 Uhr | Editiert am 17.01.2019 - 18:30 Uhr
0
Dabei seit: 01.10.12 | Posts: 1.287 | Reviews: 15 | Hüte: 33

@ELancester/all
Eine sehr gut geschriebene Kritik, die ich auch nachvollziehen kann. Teile sehe ich aber ein bisschen anders (ist eigentlich selbst eine Kritik geworden, aber da mich hauptsächlich Deine Kritik dazu gebracht hat, etwas zu Split zu sagen, schreibe ich es doch einfach drunter).
Gestern hab ich (da im Moment gratis bei Prime) zum zweiten oder dritten Mal Split gesehen und zusammen mit den Eindrücken von Unbreakable bin ich jetzt etwas durch die Mangel gedreht.
Die Kritik liest sich über weite Strecken natürlich sehr viel positiver als die schlussendliche Bewertung. Eigentlich wäre eine mittlere Hutzahl dann konsequenter, andererseits ist das finde ich die Entscheidung des Verfassers, zumindest solange es keine offizielle Zeitungskritik ist.
Mir ist auch der Gedanke gekommen, dass hier ein Krankheitsbild für ein sehr merkwürdiges Filmexperiment benutzt wird. Die Darstellung eines Monsters als Beschützer, das aber nicht nur die ursprüngliche Person, also das Opfer (des Missbrauchs) beschützt, sondern andere angreift, finde ich fragwürdig. Und es wird tatsächlich suggeriert, dass dies kein Einzelfall ist: Die gelitten haben, können mehr, und vielleicht entwickelt auch das Mädchen diese „Fähigkeit“, siehe ihr Blick im Auto. Ist der Twist, die Beschaffenheit der 24. Persönlichkeit, nun ausreichend verfremdend? Ich finde das eigentlich nicht, denn der Film meint ja gerade, dass normalen Menschen dieser Sprung gelingen kann, wenn sie Traumatisches erlebt haben. Andererseits könnte man durch diesen völlig unrealistischen Twist sehr viel leichter den ganzen Film als „Schmarrn“ abtun.
Aber wahrscheinlich hat Shyamalan gar nicht daran gedacht, dass der Film DIS-Patienten verletzten könnte. Denn Du erwähnst es in der Mitte Deiner Kritik, traumatisierte Menschen, die dazu fähig sind, in sich verschiedene Persönlichkeiten zu entwickeln, werden irgendwie auch als Upgrade ("und was ist, wenn sie uns überlegen sind", fragt einmal die Psychologin) dargestellt. Und das Monster muss man ob seiner Fähigkeiten fast schon bewundern. Und selbst wenn man das Monster mehr auf der dunklen Seite sieht (was durch die an sich Sympathieträger-Grundpersönlichkeit, hier Kevin, eh schwierig ist) - gerade in der Buch- und Filmwelt ist auch der Schurke immer noch weit höher angesiedelt als der mittelmäßige Langweiler.
Ein weiterer Negativpunkt sind für mich ein paar Ungereimheiten des Films: Warum observiert er die Mädchen tagelang und merkt nicht, dass eine die Außenseiterin ist? Oder sollte eine versehrt, also für ihn rein sein, und ich hab nicht gut aufgepasst? Aber später ist er (es) überrascht, wußte es also nicht. Oder wußte es nur diese eine Persönlichkeit nicht?
Und haben seine Opfer dann nicht auch schon genug gelitten, sind also nicht mehr „die Schlafenden“?
Mein letzter (teilweiser) Kritikpunkt ist der Schluß, zwar dramatisch und effektiv, allein mir fehlt der Glaube. Bei Unbreakable hat für mich die Enthüllung besser und glaubwürdiger funktioniert. Diese Abdriften in die Comicwelt hat allerdings die beiden Filme sehr gut verbunden (wie auch die letzte Szene).
Zum Positiven: Insgesamt ein mich von Anfang an fesselnder, gut gespielter Film. Kein langes, langweiliges Vorgequatsche wie bei vielen Young Adult-Slasher oder Survival-Filmen, sondern es geht gleich zur Sache (allerdings auch hier die Frage, warum schreit sie nicht rechtzeitig, sie sieht doch wegen dem Rückspiegel, dass es keine Verwechslung ist, sondern guckt nur zu, bis es zu spät ist für die beiden auf der Rückbank? Oder hatte er das Auto bereits verriegelt? ). James McAvoy zählt nicht zu meinen Lieblingsschauspielern (und er scheint auch in Interviews sehr „zappelig“ zu sein. Was an sich egal wäre, aber siehe unten), also bin ich vielleicht kritischer als ein unvoreingenommener Zuschauer. Hier würde ich sagen, er spielt gut, aber ich habe oft eine Zeit lang gebraucht, um zu sehen, wer er gerade sein soll, so arg überzeugend - vielleicht auch wegen der eintönigen Synchronstimme - war das für mich nicht. Und ein- oder zweimal war ich mir auch nicht sicher, ob er sich nicht irgendwie nur „ausspinnt“. Für mich war er zum Beispiel kein überzeugender 9-Jähriger, sondern ein Schauspieler, der ihn irgendwie darstellen will. Da fand ich Casey viel besser (gerade im letzten Drittel, ihre Angst, aber auch Entschlossenheit, Verstörtheit, selten so gut gesehen) und sie hat auch mehr Emotionen bei mir geweckt. Auch die ältere Therapeutin hat mich sehr überzeugt.
Erstaunlicherweise habe ich dem Monster seine Taten kaum übelgenommen (anders war es bei anderen Persönlichkeiten). Hier ging es mir ähnlich wie bei Unbreakable mit Mr. Glass, was sicher vor allem an der Filmperspektive lag (zum Beispiel die Zugopfer existieren praktisch nur als Zeitungsbericht). Vielleicht spielt auch deren Kindheit und Krankheit eine Rolle oder bei Split ist das Monster eben so, wie es ist (passend zu den Raubtieren), ich weiß es nicht.
Die Idee, zwischen Kellergefängnis und Außenwelt zu pendeln, jeweils mit kurzen Rückblenden, um die Vorgeschichte der beiden Hauptpersonen (ich meine hier Kevin und Casey) plus den Fortgang der Geschichte zu erzählen, fand ich sehr gut umgesetzt. In anderen Filmen haben mich Rückblenden und abrupte Ortwechsel häufig herausgerissen, aber hier fügen sie sich harmonisch ein und laufen auf ein Finale hinaus, das ich so schnell nicht vergessen werde.
Den entschleunigten Stil Shyamalans, wie ich es so schön positiv ausgedrückt zu Unbreakable gelesen habe und der dort mein größter Minuspunkt ist, gibt es hier glücklicherweise nicht. Sicher hätte man manches auch direkter zeigen können, weniger verschnörkelt, aber ich war fast durchgehend „am Rand des Sessels“, also von aufstehen und Wäsche falten wollen, konnte bei mir keine Rede sein.
Von beiden Filmen, Split wie Unbreakable, bin ich irgendwie fasziniert, obwohl ich an beiden einiges nicht mochte bzw. auszusetzen habe. Bei Unbreakable hat mir vor allem gefallen, dass man nicht genau entscheiden kann (also ich zumindest), ob Mr. Glass nicht tatsächlich recht hat (nicht in dem, was er tut, sondern dass er der Antagonist ist und alles seinen Sinn hat, der Film geht in die Richtung finde ich).
Wahrscheinlich würde ich jeweils 3,5 von 5 Hüte verteilen, was es aber eigentlich auch nicht trifft, denn teilweise sind sie meiner Meinung nach hervorragend und in kleinen Teilen recht schlampig.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
17.01.2019 18:12 Uhr | Editiert am 17.01.2019 - 18:13 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 10.706 | Reviews: 150 | Hüte: 341

Auch hier komme ich leider wieder verspätet an, das eigentliche Thema dürfte wohl durch sein, eine Anmerkung habe ich dennoch:

@Silencio und MobyDick
"Nimm "Der Exorzist" - dass Besessenheit eigentlich eine Vielzahl von psychischen Erkrankungen ist, weiß ja heutzutage jeder - und trotzdem zieht der Film sein anti-aufklärerisches Programm ab."
"Selbst ich als Atheist schaue mir gerne solche religiösen Gurken wie Exorzist gerne an"

Als Agnostiker und Kirchenablehner hatte ich mit der Exorzismusszene auch meine Schwierigkeiten, antiaufklärerisch und eine religiöse Gurke ist der Film meiner Meinung nach aber bei Weitem nicht. Friedkin setzt sich schon intensiv und detailliert mit dem unbekannten Krankheitsbild sowie den Ängsten und der emotionalen Belastung für das persönliche Umfeld auseinander, zudem zeichnet er den Exorzismus ambivalent und beleuchtet ihn kritisch.

Mehr dazu in meinem Review.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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Petra82 : : Schneefeger
17.01.2019 17:06 Uhr
0
Dabei seit: 07.10.08 | Posts: 1.850 | Reviews: 15 | Hüte: 51

@Silencio:

Hörst du dich eigentlich reden? Ich vermute einfach mal, dass wir beide gar nicht mal so weit auseinander liegen, was manche Ansichten und Überzeugungen angeht. Aber gut, das ist nur meine Vermutung. Es geht mir gar nicht darum, den Kritiker oben, dich oder andere Kommentatoren, deren Meinungen ich nicht teile, pauschal abzuurteilen.

Was ich mir aber herausnehme, ist, eine gewisse "Übersensibiliserung" zu erkennen, sobald man davon spricht, dass es seit einiger Zeit so scheint, dass sich viele Menschen durch kleinste "Vergehen" in ihrem Sein verletzt fühlen.

Ist das so schlimm, was ich schreibe? Habe ich irgendjemandem den Mund verboten? Habe ich dich persönlich beleidigt, dass du dies direkt als Eröffnungszug wertest, um deine Schachfiguren in Defensivposition zu bringen? Auch wenn du meinst zu erkennen, dass dem nicht so ist, muss ich dich getriggert haben, anders ist deine hoheitliche Reaktion nicht zu werten.

Ich habe alleine Arieves Kommentar verteidigt, die/der meiner Meinung nach sehr diplomatisch erklärt hat, warum die Argumentation in der Kritik für sie/ihn nicht wirklich gilt.  Und damit auch nicht für mich so überzeugend ist. Natürlich kann man sich darüber unterhalten, ob sich dieses oder jene Thema anbietet - und das ist auch ELanchesters gutes Recht - aber genauso gut ist es mein Recht, das zu kommentieren und eine Aussage wie "Die psychische Störung [..] fühlt sich auch noch zutiefst widerlich an." nicht angemessen zu finden.  Greife ich ihn deswegen an? Warum erklärt er mir nicht anstatt du, was an meinem Kommentar so verwegen ist?

Wenn du wirklich meinst, ich würde mir hier einen allgemeinen, nichtsnutzigen Ausfall geleistet haben, dann ist es müßig, weiter darüber zu reden. Dein Satz "Dass du allerdings nicht versuchst, den Kram inhaltlich zu verteidigen, wundert mich nicht..." sagt im Grunde auch alles.

Warum bin ich nicht aus Stein wie du...?

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Silencio : : Moviejones-Fan
17.01.2019 16:12 Uhr
1
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.081 | Reviews: 44 | Hüte: 100

Petra:

Dass du mich nicht gemeint bzw. angesprochen hast, krieg ich schon hin. Das war nur die scherzhafte Anmerkung, dass man mich durchaus so definieren könnte und ich deine Wortwahl für absolut daneben halte. Zugegeben, das war krumm formuliert. Mit Denkverstößen meinte ich augenscheinlich deine der hitzigen Diskussion um "Triggerwarnungen" entnommene Argumentation, man müsse wohl bald alles mit Hinweisen versehen - die du dann sogleich mit "wir begrenzen uns in unserer Fantasie [...]" unterfütterst (was man, sein wir ehrlich, als "ihr begrenzt uns" lesen muss...). Das ist zigfach gehörter/gelesener Schmarn, den auch die neuste Wiederholung nicht besser macht. Dass du allerdings nicht versuchst, den Kram inhaltlich zu verteidigen, wundert mich nicht...

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Petra82 : : Schneefeger
17.01.2019 15:44 Uhr
0
Dabei seit: 07.10.08 | Posts: 1.850 | Reviews: 15 | Hüte: 51

@Silencio:

Das ist wieder so eine heillose Übertreibung, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Hier hat NIEMAND ein Denkverbot ausgesprochen, die Review selbst weist darauf hin, dass man mit dem Film bestimmt Spaß haben kann.

Ich habe dich überhaupt nicht damit gemeint. Und auch nicht gesagt, dass HIER jemand ein Denkverbot ausspricht. Eher sah ich die Diskussion als Anlass, meine (für mich) geltende Meinung zu solchen Haltungen zu äußern. Es war eine allgemeine Benennung für jene Leute, die sehr schnell mit einem Contra daherkommen und sich schnell angegriffen fühlen.

Obwohl, wenn ich mir deine Reaktion jetzt so anschaue...

Warum bin ich nicht aus Stein wie du...?

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Silencio : : Moviejones-Fan
17.01.2019 15:01 Uhr
1
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.081 | Reviews: 44 | Hüte: 100

Arieve:

"Deine Premisse "Split verunglimpft DIS-Patienten" schwimmt mit dem derzeitigen Zeitgeist von Vielfältigkeit, Political Correctness und der Vermeidung von Microaggressionen um ja keine Minderheit in ein negatives Licht zu rücken. "

Das schwimmt nicht mit "dem derzeitigen Zeitgeist", (aller-)spätestens seit der Mitte des letzten Jahrhunderts ist es üblich, die Darstellungsformen realer Gegebenheiten (in diesem Falle DIS) in Filmen (und Literatur und... du verstehst schon) zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Das anzuwenden ist doch vollkommen legitim.

"Allerdings finde ich dieses Argument, so gut ich es auch verstehen kann, als absurd."

Eigentlich sehe ich hier eine Vielzahl von Argumenten...

" Auf diese Art kann man eigentlich niemand als den "Bösen" darstellen, weil man immer Gefahr läuft jemanden zu verunglimpfen. Das fängt, humorvoll gesagt, bei Gärtnern an (der Gärtner ist immer der Mörder), geht über "Rednecks", Personen mit einer bestimmten Haarfarbe, oder mit Warzen im Gesicht oder einer wohl endlossen Liste anderer optischer und nicht-optischer Merkmale, ja halt eben auch bis hin zu diversen Patienten mit speziellen, insbesondere psychischen Krankheiten (die ein gewisses Krankheitsbild oft auch mehr oder weniger gut vermitteln, "Fight Club" läßt grüßen). "

Das Problem ist nicht die Darstellung einer Sache (das ist sie seltenst), sondern die Art der Darstellung. Wenn du Gefahr läufst, jemanden zu verunglimpfen, solltest du dich fragen, warum das so ist. Dann wirst du nämlich wahrscheinlich einen ziemlich simplen Film machen, der seinen Inhalten kaum gerecht wird. Warum darf man das nicht kritisieren? Mir wäre übrigens kein Beispiel bekannt, in dem jemand (ernsthaft) wegen seiner Haarfarbe als bösartig dargestellt wird. Andere optische Merkmale darf man gerne kritisieren, wenn die Filmemacher sie wegen ihrer Zeichenhaftigkeit aus Faulheit ("Der hat eine Narbe, der muss der Böse sein") verwendet.

Ich finde übrigens ganz lustig, dass du gerade "Fight Club" als Beispiel anführst, wo Bösewicht und Opfer in einer Person vereint werden - wäre das "Split"s Ansatz gewesen, könnte man da wahrscheinlich leichter drüber hinwegsehen. Dazu kommt, dass "Fight Club" wesentlich mehr Themen behandelt (Männlichkeitsbilder, Gesellschaftliche Erwartungen, um nur zwei zu nennen), die er auch noch wesentlich umfangreicher abarbeitet und die er auch (da besteht der wichtigste Unterschied mMn) noch am Ende mit einer gewissen Ambivalenz behandelt. Da gibt es keine Wiederherstellung durch Gewalt, keine Heilung des Traumas durch ein neues Trauma...

"Meiner Ansicht nach, ist ein Filmbösewicht per se keinerlei Verunglimpfung, weil es jedem klar ist, dass hier Fiktion und Daramturgie am Werk ist und es immer interessant ist sich an realen Krankheitsbildern abzuarbeiten. Nicht umsonst haben wir in der Film- und Serien-Landschaft in letzter Zeit z.B. so viele Rollen mit Asperger und/oder Autismus."

Das magst du gerne so sehen, fiktionale Darstellungen und Repräsentation haben aber schon einen nachweisbaren Einfluss. Da hat jeder ein Lieblingsbeispiel zu (meins: "Jaws" und die darauffolgende Haihysterie), ich denke, da unterschätzt du Fiktion einfach - oder überschätzt die Leute, die die Filme sehen. Andersrum argumentiert: was denkst du, warum so schrecklich viel Geld in Propagandamaterial gedrückt wird, wenn das doch keinen Einfluss hat? Warum die chinesische Regierung so rigorose Auflagen an Filme stellt? Zugegeben, das sind die extremsten Auswüchse, aber Weltbilder werden auch von anderen Filmen transportiert...

"Früher war der Stotterer immer die doofe Lachnummer. Als persönlich Betroffener bin ich aber nie auf die Idee gekommen, dass dieses Klischeé mich verunglimpfen könnte. So wichtig nehme ich mich nicht, denn da lache ich lieber mit und genieße den Film. "

Wenn du das kannst, finde ich das gut (sollte das sarkastisch klingen: ich mein das ernst). Andere können das aber nicht so leicht. Stereotype Darstellung kann für manche Leute aber Auswirkungen haben - die von "leicht nervig" zu "ernsthaft diskriminierend" reichen.

"Dieser Entwicklung stehe ich etwas unbehaglich gegenüber, da sie unsere Sprache und Kreativität ärmer macht, Dinge wie Unschuld und Idealismus konterkariert und eine Art ständigen PC-Wachhund installiert, der dann u.a. zu solchen Spitzen führt wie z.B. den Austausch des Wortes "Eskimo" durch "Inuit" aus PC Gründen, nur um damit Volksgruppen wie z.B. die Yopic zu verunglimpfen, die sich energisch verwehren "Inuit" zu sein, sondern sich zu den "Eskimo-Völkern" zählen."

Sie macht weder Sprache noch Kreativität ärmer, sie ändert sie allenfalls. Wenn es über 100 Jahre okay war, Eigenschaft A auf Art B darzustellen, ist das erstmal auch nicht besonders originell, zweitens zwingt einen, das nicht mehr wie "gestern" machen zu können, dazu eine neue Lösung zu finden - ist nicht gerade das auch kreativ? Weiterhin werden ja niemandem Schranken auferlegt, wie ja bereits erwähnt wurde, sondern man begibt sich in einen offenen Diskurs mit einem Werk. Der Marketplace of Ideas ist nicht nur für die Leute offen, die alles beim Alten behalten wollen, sondern auch für die, die sich damit nicht zufrieden geben...

Petra:

"Geht es nach "Berufsempörten", die immer etwas zum Meckern finden (und ich benutze diese Klassifizierung bewusst), müsste bald vor jedem Film, in jedem Bucheinband oder vor jedem Song im Radio ein Hinweis folgen, dass alles nicht so gemeint ist, weil fiktiv und niemandem persönlich zu nahe getreten werden soll."

Das ist wieder so eine heillose Übertreibung, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Hier hat NIEMAND ein Denkverbot ausgesprochen, die Review selbst weist darauf hin, dass man mit dem Film bestimmt Spaß haben kann. Gut, jetzt bin ich im echten Leben tatsächlich von Beruf empört, ich zähle mich aber mal nicht zu den "Berufsempörten", zumindest wie du das Wort benutzt: man wird doch wohl die Darstellung in einem Film kritisieren können, ohne gleich "berufsempört" zu sein - der Versuch, Kritik mit diesem Wort ins Lächerliche zu ziehen (und mehr ist das nicht), liest sich durchaus eher so, als wolltest du dich mit dem Geschriebenen gar nicht ernsthaft auseinandersetzen. Mal eben ein wertendes Wort gefolgt von einer Übertreibung in den Ring geworfen, schon ausargumentiert? Sorry, so einfach ist das nicht...

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Arieve : : Moviejones-Fan
17.01.2019 12:13 Uhr | Editiert am 17.01.2019 - 12:14 Uhr
0
Dabei seit: 27.04.15 | Posts: 58 | Reviews: 0 | Hüte: 11

Petra82 hat es mMn ziemlich gut auf den Punkt gebracht, was ich gemeint habe.


Und zur allgemeinen Bewertung von "Split": Ja, in der Rezension war durchaus auch andere, wahre und stichhaltige Kritik zu "Split" enthalten. Allerdings ist alles auch eine Frage der Relation. Wenn "Split", mit der dem Film innewohnenden Qualität von Schauspiel, Kameraarbeit usw. 0,5 Punkte von 5 verdient, wieviel Punkte vedienen dann andere, handwerklich sehr viel schlechtete Werke?

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Petra82 : : Schneefeger
17.01.2019 10:45 Uhr
2
Dabei seit: 07.10.08 | Posts: 1.850 | Reviews: 15 | Hüte: 51

Ich persönlich habe Arieves Kommentar als sehr angenehm empfunden, der ein schwieriges Thema sensibel widergegeben hat. Man muss mit seiner Aussage nicht übereinstimmen, ich aber tue es.

Ich bin nicht dafür, dass jedes "dankbare" Thema auch in Filmen breitgetreten wird, nur weil man hinterher sagen kann, es ist Drama, Fiktion, akzeptiert dies. Viel Wahrheit liegt für mich jedoch in der Aussage "Aber wie gesagt, das ist Zeitgeist, da sich heutzutage anscheinend viele durch realsitisch betrachtet bereits schwache Kritik oder neutral gemeinte Aussagen angegriffen und nicht respektiert fühlen." - und ich, die ebenfalls viele Klischees erfüllt, bevorzuge es ebenfalls, sich manchmal einfach nicht aufzuregen und alles etwas lockerer zu sehen.

Natürlich geht mir hin und wieder auch die Hutschnur hoch, wenn ich meine, jemand der keine Ahnung hat, amüsiert sich auf meine Kosten (z.B. Mittzwanziger vor wenigen Jahren in München, die übelste Ossiwitze gerissen haben). Dennoch habe ich es in meinem Leben gelernt, auch hin und wieder über den Dingen zu stehen. Geht es nach "Berufsempörten", die immer etwas zum Meckern finden (und ich benutze diese Klassifizierung bewusst), müsste bald vor jedem Film, in jedem Bucheinband oder vor jedem Song im Radio ein Hinweis folgen, dass alles nicht so gemeint ist, weil fiktiv und niemandem persönlich zu nahe getreten werden soll. Was wäre das Ende? Wir begrenzen uns in unserer Fantasie, unserem Wortschatz und unserer Ausdrucksfähigkeit, wenn wir jedes Mal erst überlegen, wem dieses Mal etwas nicht recht sein könnte.

Ich habe mich letztens schon einmal zu einem ähnlich gelagerten Thema geäußert und denke, wir alle könnten heutzutage besser miteinander klarkommen, wenn die Grenzen zu wirklich bewusster Verunglimpfung und Beleidigung genauer gezogen werden. Es wird nie möglich sein, es allen recht zu machen - und persönlich begrüße ich das sehr.

Warum bin ich nicht aus Stein wie du...?

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
17.01.2019 10:18 Uhr | Editiert am 17.01.2019 - 10:19 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 424 | Reviews: 12 | Hüte: 32

Arieve, ELanchester:

"Deine Premisse "Split verunglimpft DIS-Patienten" schwimmt mit dem derzeitigen Zeitgeist von Vielfältigkeit, Political Correctness und der Vermeidung von Microaggressionen um ja keine Minderheit in ein negatives Licht zu rücken."

vs

"Der "Zeitgeist von Vielfältigkeit", der da von dir bemängelt wird, ist aber meiner Meinung nach doch gerade der Sinn eines Forums wie diesem."

Also vielleicht kurzer Einwurf von mir, weil mich dieses "Argument" immer nervt: In Deutschland herrscht Meinungsfreiheit, punkt. Political Correctness verlangt von uns ja nur, in Diskussionen bei den Fakten zu bleiben und halt nicht (mehr) unser Bauchgefühl einfach rauszuhauen. Unsere Gesellschaften werden vielfältiger, und Minderheiten verlangen zurecht, mehr repräsentiert zu werden, und nicht mehr die "Punchline" von irgendwelchen Witzen oder Sprüchen zu sein. Das ist kein Zeitgeist, das ist einfach "jetzt", oder besser "morgen und danach". Menschen haben verständlicherweise Probleme mit so empfundenen Redeverboten und der damit verbundenen Aufforderung, mal selbstreflektiert an die eigene Meinung (woher kommt meine Ablehnung?) zu gehen. Aber Veränderung ist halt immer etwas unangenehm...

So das ging mir einfach gerade durch den Kopf weil ich noch einen Kommentar von Vorgestern Abend vor Augen hatte bei dem ich dachte, ich bin bei YouTube gelandet.

Ich halte die letztendliche Bewertung von Split hier auch für zu stark, aber außer dem einen Punkt hat ELanchester ja noch mehr zum Film geschrieben. Und der Versuch, das zu demontieren, indem man die Kritik in eine vermeintliche politische Schublade steck, ist argumentativ auch nicht stark.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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ELanchester : : Moviejones-Fan
17.01.2019 08:25 Uhr
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@ Arieve

Es ist immer wieder interessant, zu sehen, wie unterschiedlich das, was geschrieben wird, vom Schreibenden und Lesenden aufgenommen werden kann.

"PC culture" um ihrer selbst willen wird vermutlich jedem bereits sauer aufgestoßen sein, der mehr als fünf Minuten am Tag im Internet unterwegs ist und egal welche Art von opinion piece konsumiert. Aber genau darum geht es ja - um Meinungen. Mir scheint, als wäre ein großer Teil dieser Unterhaltung nicht wahrgenommen worden. Tatsächlich gehe ich bereits in der Kritik auf genau dieses Thema ein (" ich habe es bei Filmen wirklich nicht mit der Korrektheit"), da mir schon klar war, dass genau das passiert. Auch meine ausdrückliche Meinung, dass ein unkritischer Genuss hier absolut möglich und völlig in Ordnung ist, sowie die untenstehende Anerkennung des Problems Handwerk vs. persönliches enjoyment und der immer und immer wieder betonte eigene Geschmack scheint mir da etwas wenig berücksichtigt.

Ja, das ewige politisch Korrekte kann furchtbar nerven. Der "Zeitgeist von Vielfältigkeit", der da von dir bemängelt wird, ist aber meiner Meinung nach doch gerade der Sinn eines Forums wie diesem. Anders gesagt - du magst bemängeln, dass man ja gar nichts mehr machen darf, ohne dass es als politisch unkorrekt bezeichnet wird. Das ist dein gutes Recht.

Genauso gut kann ich aber auch eine begründete Meinung vertreten, ohne dass sie als übermäßig Pc abgestempelt und damit entwertet wird - besonders, wenn ich mir Mühe gebe, sie ausdrücklich als Meinung und nicht als moralischen Schlagbaum zu kennzeichnen.

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Arieve : : Moviejones-Fan
16.01.2019 16:15 Uhr | Editiert am 16.01.2019 - 16:33 Uhr
1
Dabei seit: 27.04.15 | Posts: 58 | Reviews: 0 | Hüte: 11

Man kann Filme finden wie man möchte und oft differieren Meinungen über Filme sehr weit auseinander, weil vieles Geschmacksache ist oder vom eigenen Hintergrund abhängt. Manchmal habe ich persönlich sogar das Gefühl einen anderen Film gesehen zu haben, so anders können Filme erlebt werden. Das vorausschickend und auch, dass ich Shyamalan als Regisseur wegen seiner Bildsprache und Art Geschichten zu erzählen ganz allgemein mag.

Aber zur Sache: Deine Premisse "Split verunglimpft DIS-Patienten" schwimmt mit dem derzeitigen Zeitgeist von Vielfältigkeit, Political Correctness und der Vermeidung von Microaggressionen um ja keine Minderheit in ein negatives Licht zu rücken. Allerdings finde ich dieses Argument, so gut ich es auch verstehen kann, als absurd. Auf diese Art kann man eigentlich niemand als den "Bösen" darstellen, weil man immer Gefahr läuft jemanden zu verunglimpfen. Das fängt, humorvoll gesagt, bei Gärtnern an (der Gärtner ist immer der Mörder), geht über "Rednecks", Personen mit einer bestimmten Haarfarbe, oder mit Warzen im Gesicht oder einer wohl endlossen Liste anderer optischer und nicht-optischer Merkmale, ja halt eben auch bis hin zu diversen Patienten mit speziellen, insbesondere psychischen Krankheiten (die ein gewisses Krankheitsbild oft auch mehr oder weniger gut vermitteln, "Fight Club" läßt grüßen). Meiner Ansicht nach, ist ein Filmbösewicht per se keinerlei Verunglimpfung, weil es jedem klar ist, dass hier Fiktion und Daramturgie am Werk ist und es immer interessant ist sich an realen Krankheitsbildern abzuarbeiten. Nicht umsonst haben wir in der Film- und Serien-Landschaft in letzter Zeit z.B. so viele Rollen mit Asperger und/oder Autismus.

Früher war der Stotterer immer die doofe Lachnummer. Als persönlich Betroffener bin ich aber nie auf die Idee gekommen, dass dieses Klischeé mich verunglimpfen könnte. So wichtig nehme ich mich nicht, denn da lache ich lieber mit und genieße den Film. Aber wie gesagt, das ist Zeitgeist, da sich heutzutage anscheinend viele durch realsitisch betrachtet bereits schwache Kritik oder neutral gemeinte Aussagen angegriffen und nicht respektiert fühlen.

Dieser Entwicklung stehe ich etwas unbehaglich gegenüber, da sie unsere Sprache und Kreativität ärmer macht, Dinge wie Unschuld und Idealismus konterkariert und eine Art ständigen PC-Wachhund installiert, der dann u.a. zu solchen Spitzen führt wie z.B. den Austausch des Wortes "Eskimo" durch "Inuit" aus PC Gründen, nur um damit Volksgruppen wie z.B. die Yopic zu verunglimpfen, die sich energisch verwehren "Inuit" zu sein, sondern sich zu den "Eskimo-Völkern" zählen.

Zu "Split" selbst: MIr hat der Film gefallen, auch wen nich ihn jetzt nicht als den großen Wurf empfand. Allerdings zeigtst Du in Deiner Rezension so viele positive Aspekte auf, z.B. die schauspielersichen Leistungen, dass ich eine Wertung von 0,5 als ziemlich ideologisch geprägt finde. Auch wieder so eine Sache, die im Augenblick im Zeitgeist ist...

MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
11.01.2019 18:24 Uhr
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@ MB80:

Wenn man so eine Kritik zuvor zu lesen bekommt wird man denke ich als mündiger Zuschauer auch garnicht mehr umhin kommen, die Aspekte wahrzunehmen. Trotzdem kann man sich ja immer noch entscheiden sie zu akzeptieren, weil es eben "Im Horrorbereich nunmal so ist". Als großer Horrorfan hab ich mich schon lange davon verabschiedet jedem politisch inkorrekten Tittenslasher dafür böse zu sein, dass er sexistisch und absolut chauvinistisch auftritt und amüsiere mich einfach über den Spaß an der Sinnlosigkeit. Split dürfte da natürlich mit dem etwas größeren Anspruch ein wenig mehr den Kopf aktivieren, aber ob mich Shyamalan nochmal dazu kriegt ernsthaft über seine Arbeit nachzudenken ist nach Filmen wie The Visit und The Happening doch arg fraglich wink

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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ELanchester : : Moviejones-Fan
11.01.2019 18:15 Uhr
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@MB80

Gebe zu, das erleichtert mich schon - habe Split auch erst jetzt geguckt, falls es Lob für Glass regnet und ich mich doch nicht zurückhalten kann. laughing das wird eher ein harter Pass für mich

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