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Vom Winde verweht

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Vom Winde verweht Kritik

Vom Winde verweht Kritik
8 Kommentare - 09.01.2019 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Vom Winde verweht" ist.

Bewertung: 5 / 5

Wieder einmal eine etwas andere experimentelle Vergleichskritik von mir für zwei 10-Punkte-Filme. Das Thema diesmal: Starke Frauenrollen!

Heutzutage wird ja so viel darüber gemeckert, wie wenig gute und starke Frauenrollen es doch gibt und wie das doch unbedingt geändert werden muss. Daher werden jetzt alle möglichen Gleichstellungsmechanismen in Kraft gesetzt, um ja wieder starke Frauenfiguren zu etablieren. Dabei wird dann (überspitzt formuliert) darauf verwiesen, dass mit Charlize Theron derzeit wohl eine einzige glaubhafte starke Frauenfigurdarstellerin vorhanden ist, da sie mit Atomic Blonde und Furiosa in Mad Max überzeugen konnte. Dabei wird gerne mal vergessen, dass das erstens gar nicht stimmt: Jennifer Lawrence verdankt ihre ganze Karriere starken Frauenrollen und selbst eine Sandra Bullock, mittlerweile auch schon über 20 Jahre dick im Geschäft, lebt sehr häufig ihre starken Rollen bis zum Exzess aus (Gravity und Bird Box als aktuellere Einträge in einer langen Liste). Und dabei habe ich noch gar nicht von Angelina Jolie oder Jennifer Garner gesprochen, oder Scarlett Johannson, und erst recht nicht von den Amazonen Sigourney Weaver oder Linda Hamilton. A Propos Amazonen: Gal Gadot schickt sich derzeit ebenso an, starke Frauenfiguren zu etablieren. Und wenn wir schon mal dabei sind, ein gewisser Paul Verhoeven (mittlerweile auch schon jenseits der 70, so wie ein gewisser George Miller auch) hat mit Elle auch schon eine der stärksten und eindrücklichsten Frauenfiguren der letzten Jahre kreiert.

Worauf ich hinaus will? Es ist zwar löblich und unterstützenswert, dass es diese Gleichstellungsbewegungen gibt, aber letztlich ist es nicht unbedingt der Umstand, dass mehr Frauen hinter der Kamera stehen, dass es starke Frauenfiguren gibt, sondern es ist die Geschichte, die die Figuren durchleben und wie es dargestellt wird, was dazu führt, dass eine Rolle als stark angesehen wird. Und noch etwas: Eine starke Frauenrolle zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass eine Frau einem Kerl in den Hintern tritt, sondern wie auch bei Männern, die Rolle muss in sich stimmig sein und der Film sowieso. Nur um also ein oben genanntes Beispiel zu entkräften: Atomic Blonde ist für mich eben nicht das Paradebeispiel einer starken Frauenrolle, da hier eine Männerrolle einfach in einen Frauenkörper gequetscht wird und jegliche Weiblichkeit nur Abziehbild für Männerphantasien ist. Ein ähnlich gelagerter Film der etwa zeitgleich ins Kino kam, macht es da deutlich besser und hat die deutlich bessere Frauenfigur zu Buche stehen: Red Sparrow!

Wenn man sich nun mal die Filmhistorie anschaut, muss man aber gestehen, dass es tatsächlich einen enormen Rückschritt der starken Frauenrollen gegeben hat, wovon sich die Filmindustrie weltweit eigentlich nie erholt hat - mit Ausnahme einiger europäischer Länder wie besipielsweise Frankreich, Spanien (Almodovar anyone?!?) oder einigen skandinavischen Ländern. Was anfang der Tonfilmäre rotzfrech schon funktionierte mit starken Frauenrollen, und ja Deustchland war hier deutlich Tonangebend (haha) mit beispielsweise dem Blauen Engel oder jeglichem Film von Ernst Lubitsch und dann folgend auch in Hollywodd mit den Screwballkomödien (hier sollte der Einschub erlaubt sein, auf die Flucht vieler etablierter europäischer Regisseure nach Hollywood während der Nazi-Zeit hinzuweisen), etablierte sich auch noch bis in die 1940er immer stärker mit durchaus selbstbewußten und starken Frauenfiguren, wo ihnen sogar prinzipiell ein eigenes Genre gewidmet wurde: Film Noir und Femme Fatale gehen ja quasi Hand in Hand. Auch abseits dieses Genres gab es immer starke Frauenrollen, die dann nach dem zweiten Weltkrieg leider sehr stark den aufopferungsvollen Mütterrollen weichen mussten (klar, dies ist durchaus der Zeit geschuldet und sogar notwendig gewesen, aber dadurch wurden interessante Rollen für Frauen immer weiter zurück gedrängt). Spätestens mit der McCarthy Ära war die Zeit der starken Frauenfiguren abseits von Mütterrollen quasi vorbei. Einzelne Fahnenhochhalterinnen wie Barbara Stanwyck waren eher die Ausnahme denn Regel. Wie gesagt, ich lasse mal Frankreich aussen vor, denn das ist ein komplett eigenes Kapitel wert. Zwar gab es in den 1960ern eine Art Renaissance der Screwballkomödien von anno dazumal, aber die waren diesmal deutlich handzahmer und eher schlicht und konservativer gehalten als die auch heute noch sehr frisch wirkenden Uralt-Klassiker wie beispielsweise Leoparden küsst man nicht oder gar Sein oder Nichtsein. Und was dann ab Ende der 1960er mit dem Frauenbild in Hollywood passierte, ist im Grunde genommen eine kleine Frechheit: Faye Dunaway als neues Pin-Up Girl des New Hollywood gefeiert für Bonny und Clyde (selbstzerstörerische GangsterBraut) oder Thomas Crown Affair (selbstbewußte Bitch, die am Ende deshalb "zu Recht auf den Boden der Tatsachen zurück geholt wird") oder Jane Fonda als Sex-Bombe in Barbarella. Als gäbe es keine andere Darstellungsmöglichkeit. Selbst ein David Lean war hier nicht gegen gefeit, In Dr Schiwago gibt es quasi keine andere Frauenrolle als die der Hure oder der Mutter, sein Ryans Tochter später kam ein bißchen zu spät. Die 1980er brachten dann mit Ripley und Sarah Connor zwar interessante Charketere hervor, aber abseits von kathleen Turner und ihrer Jagd nach irgendwelchen Schätzen mit Michael Douglas gibt es ehrlich gesagt kaum was brauchbares. Also wenn wir jetzt tatsächlich nach mehr starken Frauenrollen dürsten, ist das in der Tat einerseits gerechtfertigt, aber andererseits ein Produkt von Jahrzehntelangem Chauvinismus der Branche, welches - ich befürchte es zumindest - nicht durch irgendwelche Actionrollen für Frauen durchbrochen werden kann oder sollte. Starke Frauenrollen benötigen tatsächlich starke Charaktere.

Hier mal zwei Paradebeispiele:

1. Vom Winde Verweht

Heutzutage als einer der größten Schmonzetten der Filmgeschichte angesehen, könnte die Wahrheit gar nicht weiter weg sein. Der Film ist eine riesengroßes Südstaatenepos, das den Werdegang einer zickigen Tochter beschreibt und wie sie sich entwickeln muss, um in dieser von Bürgerkrieg und etlichen anderen Schicksalschlägen gebeutelten Welt nicht nur ihren Mann zu stehen, sondern auch anderen Männern überlegen zu sein. Dabei geht die Protagonistin mit niemandem sonderlich glimpflich um, sie macht alle um sich herum kleiner und sich selbst zu einer ganz großen Persönlichkeit. Der Film ist ein einziges Hohelied auf die Frau. Die einzigen starken Personen im Film sind im Grunde genommen die Frauen. Der einzige Mann, der da halbwegs mithalten kann, ist eigentlich Clark Gables Charakter. Aber er wird als zwielichtig anzusehende Figur eingeführt und es wird immer wieder betont, dass man sich vor ihm in Acht nehmen müsse. Etwas was im Film nie wirklich gelebt wird. Das auch ein Zeichen dafür, dass der Film hier vorhandene Ressentiments der etablierten Südstaatenoberkaste gegenüber Emporkömmlingen auslebt, und nicht als Fakt anzunehmen. Sein Charakter ist schließlich zwar für eine kurze Zeit höchstens auf Augenhöhe mit der Protagonistin (auch wenn das Plakat was anderes propagiert), aber gleichzeitig bremst er sie aus. Das wird vor allem am Ende überdeutlich, als der Film zu drastischen Methoden greift, um Scarlett von ihren von der Gesellschaft und selbst auferlegten Ketten zu befreien. Sinnbildlich wird sogar das eigene Kind als Bremsklotz abgeschafft, damit der Charakter wieder frei sein kann. Sicher kann man den Film auch anders interpretieren, aber diese Lesart ist durchaus erlaubt und zeigt hier einen Charakter, der den großen Antihelden der Neuzeit durchaus die Show stiehlt, da sie sehr gut ausgearbeitet ist, ein absoluter Fiesling/Antiheld und trotzdem menschlich nachvollziehbar. Kurz eine hervorragend ausgearbeitete Hauptfigur. Und dann auch noch weiblich. Eine Schande, dass man hierauf nicht aufbauen konnte, obwohl der Film auch heute noch über jeden Zweifel erhaben ist.

Wie gesagt 10 Punkte.

2. Mother India

Stellvertretend für jegliche Kriegsmami-Story suche ich mir eine der besten Filme zu diesem Thema aus. Das Prinzip dieser Filme ist denkbar einfach: Wir haben gerade einen großen gesellschaftlichen Umbruch und benötigen hier wirklich jede Hand, die hilft. Da ist es "natürlich" naheliegend, dass die Frau für die Kinder da ist. Gleichzeitig ist es in dieser Zeit so, dass sehr oft die Männer einfach nicht da sind (meistens weil sie gefallen sind, im Gefängnis oder einfach abgehauen), also fällt der Frau auch die moralische Aufgabe zu, den Kindern hehre Werte beizubringen. Diese Filme sind also meistens hochmoralisch, erzkonservativ und erheben die Frauen in den Status einer Heiligen. Das ist ein absolut klischeestrotzendes Frauenbild und sollte eigentlich nicht auch noch zelebriert werden, aber wenn es hier auch um einen gesellschaftlich relevanten Zeitpunkt in der Geschichte eines jeweiligen Landes geht, dasnn ist es durchaus angebracht, diesen Kontext im Hinterkopf zu behalten. Mother India erzählt also vom noch jungen Land Indien, wo die Dorbevölkerung von einem Kredithai unterjocht wird und werden kann, da der Fiesling die Leute mit Knebelverträgen einfach am Sack hat. Die Protagonistin ist allein erziehende Mutter dreier Kinder und muss sich auch den sexuellen Avancen des Fieslings erwehren. Da ich nicht davon ausgehe, dass hier auch nur ein Lesender den Film schauen wird, spoilere ich mal, dass es der Familie sogar so schlecht geht, dass das dritte Kind elendlich verhungert. Dennoch gelingt es der Frau die restlichen Kinder irgendwie groß zu ziehen, ohne ihren Körper verschachern zu müssen ("sehr wichtig"). Es kommt wie es kommen muss, die beiden Söhne entwickeln sich konträr, der eine wird belesen und will so gegen den Kredithai vorgehen, der andere wird zu einem Rebell, der am Ende sogar die Tochter des Kredithais entführt. Und ratet mal, wer sich da für die entführte Frau gegen den eigenen Sohn (mit tödlichen Konsequenzen) stellt! Wie gesagt, das ist ein klischeebeladenes Bild einer aufopferungsvollen Mutter, die durch ihr ehrenhaftes Auftreten schließlich zur Mutter der Nation wird, nicht nur der eigenen Kinder, und im Prinzip eine komplette Umkehrung des starken Frauenbildes wie man es heute erwarten würde. Aber erstens funktioniert es im genannten Kontext und zur genannten Periode einwandfrei, inklusive zu dem zeitpunkt vollkommen zu recht kommunistisch angehauchter Wir-Müssen-Alle-am-gleichen-Strang-ziehen-und-Zusammenhalten-Parolen, zweitens ist es eben doch eine starke Frauenfigur, da sie sogar für ihre Prinzipien über den Leichnam des eigenen Sohnes marschiert und drittens ist eine stark geschriebene Figur, wenn sie glaubhaft bleibt und Leute inspiriert, auch dann stark, wenn sie als Figur antiquiert wirken mag. Vor allem im Beispiel von Mother India gilt auch noch, dass hier in einem Land, welches bekannterweise zu den frauenfeindlichsten Ländern der Welt gehört mit einer der höchsten Vergewaltigungsquoten, nun schon vor über 60 Jahren eben jenes Thema sogar recht drastisch adressiert wurde. Das ist nicht antiquiert sondern eigentlich das Gegenteil. Es kommt immer auf den Betrachtungswinkel an.

Ebenfalls 10 Punkte.

Daher also mein Vorschlag an alle Filmschaffenden: Bevor ihr sinnlos irgendwelches Geld in irgendwelchen Pseudoprojekten verpulvert, geht doch bitte in euch und schreibt halt einfach mal gute Stories, denn laut Billy Wilder (glaube ich) sollte das das A und O sein.

Vom Winde verweht Bewertung
Bewertung des Films
1010
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8 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
17.01.2019 14:22 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 10.705 | Reviews: 150 | Hüte: 341

@MobyDick
"Mal andersrum gefragt: Beschwert sich die weiße Bevölkerung auf Grund ihrer Darstellung?"

Dahingehend habe ich bisher noch nichts gelesen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
14.01.2019 10:46 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 3.329 | Reviews: 37 | Hüte: 211

.. oder Tarzan:

Hierbei ging es mir um den Vergleich mit Filmen aus dem Hollywood der 1930er Jahre, da du Vom Winde Verweht durch Hörensagen Rassismus unterstellt hattest. im 1930er Tarzan werden die schwarzen allesamt als böse Wilde dargestellt.

Zum neuen Tarzan kann ich nichts sagen, da der mir noch fehlt, aber was auch auffällt, ist dass heutzutage zu jedem Thema irgendwelche Meckerziegen unterwegs sind und gleich auf Gleichberechtigungsthemen drauf hüpfen, um mal schnell was anzugreifen. Bei Tarzan gehört es meines Erachtens heutzutage dazu, dass er seinen Urwald vor dem bösen weißen Mann beschützt. Wenn das die Vorlgae oder Story so hergibt, ist es mE völlig ok.

Mal andersrum gefragt: Beschwert sich die weiße Bevölkerung auf Grund ihrer Darstellung?

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
12.01.2019 19:14 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 10.705 | Reviews: 150 | Hüte: 341

@MobyDick

"Antichrist als offensichtlichstes Beispiel"

Wieso offensichtlich? Die Frau ist ein ausgefeilter und aktiv handelnder Charakter und eine Männerphantasie ist sie auch nicht, wenn man bedenkt, was sie alles mit ihrem Ehemann anstellt^^

"erstmal von Lars von Trier schwärmen und dann einen Hollywoodfilm auf Grund von Hörensagen als halben Porno "anschwärzen""

Ich denke mal, du spielst damit auf "Nymphomaniac" an? Natürlich ist das in erster Linie ein Erotikfilm, aber eben einer, der sich "abseits" (eigentlich im Zusammenspiel) der Sexszenen detailliert mit dem Thema der Sexsucht, gesellschaftlichem Außenseitertum, Stigmatisierung der weiblichen Sexualität, Schuld und Selbsthass auseinandersetzt.

Bei "Red Sparrow" bezweifele ich halt etwas, dass der Film solch eine substanzielle Tiefe besitzt. Aber du hast schon Recht, dass ich mir da erst ein eigenes Bild machen sollte.

"oder Tarzan"

Stimmt, zuletzt stand deswegen ja David Yates´ "The Legend of Tarzan" mit Alexander Skarsgard als Tarzan in der Kritik, weil der Film Tarzan als weißen Retter der schwarzen Eingeborenen darstelle.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
10.01.2019 09:57 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 3.329 | Reviews: 37 | Hüte: 211

sid:

Erstmal ganz großes Dank für deinen Kommentar und Hut, den ich tatsächlich als ergänzend ansehe:-) Ohnehin finde ich klasse, wie du auf meine Reviews eingehst. Also auch stellvertretend dafür geht gleich ein Revanche-Hut an dich :-)

luhp:

Auch dir danke für den Hut und deinen Kommentar und dann noch...

Starke Frauenrollen findet man so gut wie immer auch bei Lars von Trier

Zum einen habe ich ja die skandinavischen Filmemacher auch hervorgehoben, zum anderen allerdings ist zumindest Lars von Trier aber ein Kopf, der diesbezüglich ziemlich diskussionswürdig ist (Antichrist als offensichtlichstes Beispiel, oder Dogville, wo Kidman auch als Projektionsfläche männlicher Phantasien und nur Mittel zum Zweck, seine Geschichte zu erzählen, denn als ausgereifter Charakter). Wie gesagt diskussionswürdig, ich widerspreche dir nicht, aber es sind auch andere Lesarten bei ihm durchaus drin.

"Red Sparrow" habe ich noch nicht gesehen, soll aber ein halber Porno sein

Hehe, lustig, erstmal von Lars von Trier schwärmen und dann einen Hollywoodfilm auf Grund von Hörensagen als halben Porno "anschwärzen" wink Ich würde sagen, mach dir erstmal ein eigenes Bild, bevor du gutgläubig solche Meinungen weiterverbreitest. Lawrence zieht in der Tat blank, aber die Szene ist dermassen überragend in Szene gesetzt, dass es kein bißchen voyeuristisch rüber kommt, sondern ihr Gegenüber der Lächerlichkeit Preis gegeben wird. Dazu muss man wissen, dass dies elementarer Teil ihrer Ausbildung zur Edelkurtisanenspionin ist und im Film mehr als elegant gelöst wird. Da ist die lesbische Affäre von Theron-Boutella in Atomic Blonde mehr als nur voyeuristisch und effekthascherisch.

Ich habe weder "Von Winde verweht" noch "Mother India" (oder diverse der anderen Beispiele) gesehen und Das bezweifele ich stark, da "Vom Winde verweht" schon in der damaligen Zeit zum Teil und aus heutiger Sicht erst recht als ziemlich rassistisch gilt.

Zum einen ist dieses Review ausschließlich der Betrachtung der Frauenrolle gewidmet, Rassenthematiken habe ich komplett aussen vor gelassen (das wäre mehr als nur ein eigenes Essay wert, da so extrem vielschichtig). Soweit ich mich erinnere - und da kann ich mich irren, da es schon extrem lange her ist, dass ich den Film zuletzt sah, und im übrigen liegt der Fokus meines Erachtens ganz klar auf was völlig anderem, da ist ein "Geburt einer Nation" ein ganz anderes Kaliber, wo ich dir durchaus zustimmen würde - spielt Vom Winde Verweht nunmal in den Südstaaten und sie ist eine Tochter eines Hauses mit Plantagen und Sklaven zur Bürgerkriegszeit und ist ein Film aus den 1930ern. Da ist es unausweichlich, als weisses Produkt ein bestimmtes Schwarzenbild aufzuzeigen. Wenn du mich fragst, ist der Film für seine Zeit und als Blockbuster eben sehr liberal, im Gegensatz zu solchen anderen Filmen jener Zeit wie zB King Kong (wo der Affe ja gemeinhin als die Angst des Weissen Mannes vor dem Schwarzen Mann angesehen werden kann und wo zudem dessen Schwarzen-Bild Peter Jackson ja 7 Jahrzehnte später fast 1:1 übernommen hat, und das ist etwas was ich als sehr problematisch ansehe) oder Tarzan. Wie ich an anderer Stelle ja schon schrieb, alles eine Frage der Perspektive... Auf der anderen Seite, auch hier macht es meines Erachtens Sinn, dass du dir den Film selbst anschaust, bevor du dir ein (Vor-)Urteil bildest. Vor allem um "Vom Winde Verweht" ranken sich so viele Geschichten und Legenden, dass jede Lesart erlaubt sein dürfte, aber jeder sich sein eigenes Bild machen sollte und nicht - ich wiederhole mich und predige - die Meinungen anderer spiegeln :-)

Musashi:

Ja die Theron hat schon viele starke Frauenrollen gespielt, genauso hat sie aber auch einige Rollen versemmelt, das wollte ich ja damit auch betonen, aber genauso gibt es auch andere Darstellerinnen, die dann einfach mal vergessen/übergangen werden, Cate Blanchet zum Beispiel würde mir da auch auf Anhieb einfallen, oder solche Darstellerinnen wie die Streep oder Close.

Dünyayi Kurtaran Adam
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Musashi : : Moviejones-Fan
10.01.2019 08:35 Uhr
0
Dabei seit: 27.01.14 | Posts: 684 | Reviews: 0 | Hüte: 21

Muss den Film unbedingt auch mal schauen, wir haben den daheim in Deutschland auf Videokassete, mal kucken ob die noch geht, wenn ich wieder daheim bin. Hab dann irgendwann auch angefangen die Kritik nur noch zu überfliegen, weil ich nicht gespoilert werden will ;)

Zum Thema starke Frauen in Filmen:

Ein für mich persönlich ganz tolles Beispiel ist Charlize Theron in "Kaltes Land". DAS nenne ich eine starke Frau, nämlich eine die einstecken kann ohne Ende und jedes Mal wieder aufsteht und das große Ziel nie aus den Augen verliert. Keine Ahnung, ob ich das alles durchgestanden hätte. Da kann für mich eine Actionheldin (etwa Atomic Blonde, um mal bei Charlize Theron zu bleiben) noch net mal ansatzweise mithalten. Ganz große Klasse!!

My feelings over your freedom!

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
10.01.2019 02:19 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 10.705 | Reviews: 150 | Hüte: 341

Eine überragend geschriebene, detaillierte und fundierte Besprechung, einen Hut dafür! Auch schön, wie du deine bisherigen Kommentare zu Frauenrollen in der Filmgeschichte hier quasi vereinigt und nochmals erweitert hast.

Ich habe weder "Von Winde verweht" noch "Mother India" (oder diverse der anderen Beispiele) gesehen, kann da zu einer Diskussion also nichts Wirkliches beitragen. Ein paar Anmerkungen habe ich dennoch.


1) Starke Frauenrollen findet man so gut wie immer auch bei Lars von Trier.

2) "Ein ähnlich gelagerter Film der etwa zeitgleich ins Kino kam, macht es da deutlich besser und hat die deutlich bessere Frauenfigur zu Buche stehen: Red Sparrow!"

"Red Sparrow" habe ich noch nicht gesehen, soll aber ein halber Porno sein, von Männerphantasien kann man den Film also wohl nicht freisprechen. Jennifer Lawrence ist allerdings eine Schauspielerin, die immer wieder beteuert, dass sie sich von Männern am Set nichts einreden lässt und solche Szenen freiwillig dreht. Auf dieser Ebene geht das also klar, inhaltlich bin ich mir nicht so sicher.

3) "obwohl der Film auch heute noch über jeden Zweifel erhaben ist"

Das bezweifele ich stark, da "Vom Winde verweht" schon in der damaligen Zeit zum Teil und aus heutiger Sicht erst recht als ziemlich rassistisch gilt.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
Avatar
sid : : Alpha
09.01.2019 18:47 Uhr | Editiert am 09.01.2019 - 18:53 Uhr
1
Dabei seit: 01.10.12 | Posts: 1.287 | Reviews: 15 | Hüte: 33

Sehr interessante Kritik(en)! Mal was anderes. Und zeigt Dein erstaunliches Filmwissen über die Jahrzehnte (wo ich größtenteils nicht mitreden kann, auch wenn ich seit 1-2 Jahren versuche, ältere, zum Beispiel französische, Filme kennenzulernen, von „Vier im roten Kreis“ ausgehend).
Ich kann höchstens noch mit ein bisschen Buchwissen dienen, sozusagen als Hintergrund zu Deiner Filmkritik. Denn ich hatte in meinen mittleren Teenie-Jahren mal eine Phase, in der ich Bücher (Bücherschrank der Oma eben ^^) wie „Vom Winde verweht“, „Dr. Schiwago“, „Tai-Pan“ gelesen habe (heutzutage wäre ich bestimmt zu faul für diese dicken Wälzer, obwohl sie ziemlich spannend sind).
Und ich finde ebenfalls, dass sowohl der Film wie auch das Buch „Vom Winde verweht“ eigentlich nicht nur für Frauen und schon gar nicht nur als Schnulze angelegt sind (Dr. Schiwago und Tai-Pan noch viel weniger). Schon allein, weil es wie von Dir erwähnt die gesamte Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs beschreibt (aus der heutzutage recht eigenwilligen Sicht der Autorin) und auch zahlreiche (andere) Personen.
Ich fand immer, Scarlett OHara ist zwar eigensinnig, egozentrisch etc., wird aber doch schlechter behandelt, als sie es verdient. Sie ist einfach zu jung (16 Jahre alt), um die diversen Schicksalsschlägen zu verarbeiten, bevor schon die nächste Katastrophe anrückt. Und so denkt sie immer nur an die ganz zentralen Probleme und handelt (sogar gegen ihre eigentlichen Wünsche, da sie das Leben und ihre scheinbar passivere Rolle vor dem Krieg eigentlich sehr mochte), wo andere Frauen nur zuschauen und sogar auch einige Männer. Ohne ihre Aktionen wären etliche Menschen in ihrer Umgebung wesentlich schlechter dran, trotzdem werden sie von fast allen zumindest stillschweigend missbilligt. Natürlich ist auch sie wie Du schreibst ein gemischter Charakter, eine Person, bei der Krisen einerseits die schlechten Seiten fördern (Sträflinge als billige Arbeitskräfte in ihren Mühlen, ignoriert ihre Kinder, behandelt die mies, die es gut mit ihr meinen...), andererseits aber auch erst ihre Energie freisetzen. Zumindest im Buch kann ich zwar kein komplettes „Hohelied an die Frau“ entdecken, weil sie ja am Ende vor dem Nichts steht (wenn auch noch mit Hoffnung), aber in Teilen durchaus. Ich muss mir den Film wieder ansehen...Manches wird auch im Buch so geschildert, dass man sich fragt, ob Frauen da nicht ein besseres Gespür hätten als Scarlett (voreilige Ehe usw.), aber da das Buch von einer Frau geschrieben wurde, kann ich schlecht widersprechen.
Rhett Butler bzw. die ganze Beziehung der beiden ist im Buch deutlich vielschichtiger geschildert und die überwiegende Zeit weiß selbst der Leser nichts Genaues. Wenn ich mich richtig erinnere, wird vieles im Film wesentlich simpler abgehandelt (wohl auch aus Zeitgründen): Zum Beispiel fällt ihr einmal, als sie schon mit Rhett verheiratet ist, ein Bild von Ashley raus oder so ähnlich und er tobt, während er im Buch immer über alles Bescheid weiß und es scheint ihn nicht zu kümmern, was wiederum dazu führt, dass sie sich an ihre alten Gewohnheiten klammert. Im Buch wird Rhett Butler für sehr kurze Zeit zur Hauptfigur (auch interessanterweise gerade in der Rolle des Elternteils, das sich um die Tochter kümmert), aber schließlich doch wieder von Scarlett „verdrängt“, also sehr ähnlich wie von Dir in bezug auf den Film geschildert.
Am Schluss von Buch und Film wird Scarlett vieles klar, u.a. was und wen sie bisher völlig falsch beurteilt hat, sie wird sozusagen erwachsen und auch wieder weiblicher bzw. ähnlich wie am Anfang konzentriert sie sich wieder auf ihr Liebesleben (statt aufs Geldverdienen), nur diesmal mit einem anderen Objekt der Begierde. Ich weiß aber nicht genau, ob das nun als Rückschritt zu sehen ist, denn erstens muss man bei ihr vielleicht gar nicht beides trennen, sprich, sie nimmt sich immer, was sie will bzw. versucht es. Und zweitens, dass sie neue Erkenntnisse gewinnt und dazulernt, könnte die Figur natürlich verändern, aber evtl. ist das auch die natürliche Weiterentwicklung, sie wird quasi kompletter mit mehr sozialer Kompetenz. Eigentlich schade, dass M. Mitchell keinen zweiten Teil geschrieben hat, Scarlett hätte es verdient gehabt (und viele, viele Leser hätten es verschlungen wink; aber es braucht natürlich eigentlich keinen).
Noch so am Rande: Lustigerweise ist Rhett Butler glaub ich erst 45 oder 47 Jahre alt, als er bereits die Flinte ins Korn wirft, heutzutage würde man das eher mit 65 Jahren oder noch später erwarten. Hat sich eben vieles verschoben.
Also insgesamt beurteile ich viele Dinge auch aus Buchsicht doch recht ähnlich wie Du, aber einiges sind für mich auch ganz neue Betrachtungsweisen wie zum Beispiel Rhett Butler als Bremsklotz, dass sie ohne ihn zwar unglücklich ist, aber als starke Frauenfigur perfekt (aber wie weiter oben erwähnt, bin ich mir hier nicht sicher, ob sie nicht dazulernen soll).

Dem, was Du vor der „Vom Winde verweht“-Kritik sagst, kann ich auch nur zustimmen. Nicht die Menge an Heldinnen ist entscheidend (gerade, wenn der Film schlecht ist) oder dass man einfach nur in eine Männerrolle schlüpft, sondern wie gut die Frauenfigur angelegt ist.
Ein Hut von mir für die viele Mühe und die cleveren Überlegungen.

Avatar
MobyDick : : Moviejones-Fan
09.01.2019 13:26 Uhr
3
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 3.329 | Reviews: 37 | Hüte: 211

Mal ein kleiner Essay eines Mannes zum Thema Gleichberechtigung, ich hoffe meine Argumentation ist nachvollziehbar (auch für das weibliche Geschlecht). Viel Spass :-)

Dünyayi Kurtaran Adam
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